Natur

Biotope und Lebensraumtypen

Orchideenwiese

Orchideenwiese

Die Vielfalt an wertvollen und gefährdeten Lebensräumen im Projektgebiet teilt sich nach der Sächsischen Biotopkartierung von 1998 in 64 verschiedene Biotoptypen auf. In den in FFH-Gebieten liegenden Kerngebietsflächen wurde in Phase I auch eine FFH-Lebensraumtypenkartierung durchgeführt. Das Landschaftsbild wird geprägt durch unterschiedliche Erscheinungsformen der Grünlandgesellschaften im Wechsel mit den prägenden Steinrücken im Offenland und im Wald.

Sächsische Biotopkartierung

Das Grasland nimmt in den Kerngebieten mit etwa zwei Dritteln der Fläche erwartungsgemäß den höchsten Anteil ein. Die Nutzung der Wiesen und Weiden ist äußerst vielfältig, wobei neben den Nasswiesen, Niedermooren und Zwischenmooren vor allem die artenreichen Bergwiesen und Borstgrasrasen die naturschutzfachlich höchsten Wertigkeiten aufweisen.

Eingebettet in die Grasländer sind die landschaftstypischen markanten Steinrücken. Erfasst und in einem Kataster beschrieben wurden Steinrücken mit einer Länge von über 60.000 m in den Kerngebieten.

Der Anteil an Ackerland in den Kerngebieten ist mit 1 % der Fläche sehr gering, im gesamten Projektgebiet liegt er bei 9,5 %.

Wälder und Forste bedecken etwa ein Drittel der Fläche der Kerngebiete und des Projektgebietes. Überwiegend handelt es sich um Nadelholzforste in unterschiedlicher Zusammensetzung. Naturnahe und strukturreiche alte Wälder und Bergmischwälder, z. B. Schluchtwald, Buchenwald und Birken-Moorwald, findet man dagegen als Folge des Waldsterbens in den 1970er und 1980er Jahren und der danach erfolgten Aufforstung mit Lärche, Murray-Kiefer und Blau-Fichte nur begrenzt vor.

Eine Besonderheit stellen die Moore und Sümpfe auf einer Fläche von ca. 17 ha (Phase I) dar. Häufigste Vertreter sind die Kleinseggenriede. Diese treten vielfach in Nasswiesenkomplexen auf und sind auf gemähten Flächen sehr artenreich, aber inzwischen stark durch Verbrachung bedroht.

Besonders wertvoll sind die wenigen noch intakten kleinflächigen Zwischenmoore, z. B. im Quellgebiet des Kalten Brunnen und am Erdbach, an der Weißen Müglitz und am Mittelwiesenbach im Schwarzbachgrund bei Fürstenwalde.

Häufig vorzufinden sind auch naturnahe Mittelgebirgsbäche, die sich nach der Teilung in ihren Quellgebieten in zahlreiche kleine Rinnsale, in den tieferen Tallagen wieder zu größeren Bächen vereinen (Erdbach, Kalter Brunnen, Pfarrwasser, Schwarzbach, Heidegraben).

FFH-Lebensraumtypen

Insgesamt wurden 15 verschiedene geschützte Lebensraumtypen (LRT) mit einer Gesamtfläche von 552 ha wurden erfasst. Am häufigsten sind die Berg-Mähwiesen (LRT 6520) mit ca. 255 ha und zusätzlichen ca. 230 ha Entwicklungsflächen vertreten. Borstgrasrasen sind mit ca. 5,5 ha deutlich kleinflächiger, stellen aber prioritär zu schützende Lebensraumtypen dar. Ähnlich wertvoll, aber kleinflächig sind naturnahe kalkreiche Niedermoore (ca. 0,5 ha) und Übergangsmoore (ca. 1,1 ha). Feucht- und Nasswiesen, die ca. 54 ha einnehmen, sowie saure Niedermoore (ca. 17 ha) sind im Gebiet noch relativ häufig, stellen jedoch keine FFH-Lebensraumtypen dar.

Insgesamt sind 6 Wald-Lebensraumtypen vertreten, von denen die sauren und mesophilen Buchenwälder (LRT 9110, 9130) mit ca. 13 bzw. 19 ha den größten Anteil haben, gefolgt von den prioritär geschützten Birken-Moorwäldern (ca. 9 ha), Schlucht- und Hangmischwäldern (ca. 8 ha) und montanen Fichtenwäldern (ca. 6 ha).

Weitere kleinflächig vertretene Lebensraumtypen sind Flachlandmähwiesen (ca. 5 ha), Weichholz-Auwälder (0,3 ha), Fließ- und Stillgewässer (0,9 ha) sowie Silikatschutthalden (0,6 ha). Die wertvollen Steinrücken (60 km Länge) sind ebenfalls keinem FFH-Lebensraumtyp zuzuordnen.

Die folgende Tabelle stellt die Anteile (in ha) der wichtigsten FFH-Lebensraumtypen in den Kerngebieten beider Projektphasen gegenüber:

Biotoptyp (FFH-Lebensraumtyp) Kerngebiete der Phase 1 Kerngebiete der Phase 2
Borstgrasrasen (6230) 4,8 0,7
Flachland-Mähwiese (6510) 0,3 4,2
Bergwiese (6520) 186 70,4
Bergwiesen-Entwicklungsfläche (6520E) 154,3 75,6
Zwischenmoor (7140) 0,9 0,2
Kalkreiches Niedermoor (7230) 0,25 0,3
Feucht- und Nasswiesen (kein LRT) 31,2 23
Gesamt 377,75 174,4

Leitbiotope

Für die Wert bestimmenden Leitbiotoptypen und die zugeordneten Leit- und Zielarten der Flora und Fauna im Projektgebiet wurden regionalisierte Schutzziele abgeleitet. Berücksichtigung fanden dabei spezielle Habitatansprüche bedeutender Arten, die angestrebte Entwicklung von Biotopen, die Verbreitung von Leit- und Zielarten, die vorhandenen Entwicklungspotentiale und die aktuelle Nutzung der Flächen.

Leitbiotoptyp (Pflanzengesellschaft) Leit- und Zielarten - Flora Leit- und Zielarten - Fauna
Bergwiesen
(Bärwurzwiese: typische, Trollius europaeus-, Bromus erectus- und Alopecurus pratensis-Ausbildung, Meum athamanticum-Brachestadium)
Perücken-Flockenblume, Weicher Pippau, Stattliches Knabenkraut, Niedrige Schwarzwurzel, Trollblume, Feuerlilie, Buschnelke, Karpatenenzian, Kugelknabenkraut Wiesenpieper, Kreuzotter, Großer Perlmutterfalter, Violetter Waldbläuling, Dukatenfalter, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Plumpschrecke, Zikade Dicranotropis divergens
Borstgrasrasen
(Kreuzblümchen-Borstgrasrasen, Violion-Basalgesellschaft, Torfbinsen-Borstgrasrasen)
Arnika, Buschnelke, Feuerlilie, Wald-Läusekraut Großer Perlmutterfalter, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Warzenbeißer, Kurz-flüglige Beißschrecke, Zikade Dicranotropis divergens
Feuchtwiesen/Binsen-, Waldsimsen- und Schachtelhalmsumpf
(Trollblumen-Knöterich-Feuchtwiese, Waldbinsenwiese, Flatterbinsen-Gesellschaft, Fadenbinsen-Gesellschaft)
Niedrige Schwarzwurzel, Trollblume, Moor-Klee, Breitblättriges Knabenkraut Wachtelkönig, Bekassine, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Kleiner Ampferfeuerfalter, Zikaden Javesella forcipata, Eupteryx heydenii
Nieder- und Zwischenmoore
(Braunseggensumpf: typische Ausbildung und Ausbildung mit Moosbeere, Herzblatt-Braunseggen-sumpf, Birken-Moorwald)
Moosbeere, Rundblättriger Sonnentau, Gemeines Fettkraut, Schmalblättriges Wollgras, Seggen Torfmoose (u.a. Sphagnum imbricatum) Wachtelkönig, Bekassine, Braunkehlchen, Kleiner Ampferfeuerfalter, Zikaden Kelisia vitipennis, K. ribauti, K. pallidula, Cosmotettix panzeri, Sorhoanus xanthoneurus
Steinrücken
(Ebereschen-Vorwald, mesophile Gebüsche, Fagion-Elemente)
Feuerlilie, Moos- und Flechtenarten Neuntöter, Kreuzotter, Waldeidechse
Vorwälder
(Eberesche, Birke, Aspe, Zwergsträucher)
  Feldschwirl, Birkenzeisig, Teillebensraum Birkhuhn, Raubwürger
Bergmischwald
(Hainsimsen-Buchenwald, Waldmeister-Buchenwald, Ahorn-Eschenwald)
  Schwarzspecht, Dohle, Schwarzstorch
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Online: http://www.bergwiesen-osterzgebirge.de/natur/biotope/ [Datum: 19.11.2017]
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